Irgendwas mit Bedürfnissen

ich (3)

Heute wars wieder schwierig. Heute morgen kamen die Erinnerungen an die Frage, ob wir ein Liebespaar sind, zurück. Heute Abend urplötzlich dann Wien. Wann war das noch mal? Und wieso hab ich dich nicht geküsst, als wir alleine im Zimmer waren und du so abgefuckt warst? Und wie lustig war eigentlich diese letzte Nacht, in der wir so lange geredet haben? Unsere Münder waren so nah, wie es nur ging, damit wir ganz leise reden konnten, aber wir waren so aufgeregt, dass wir bestimmt ganz laut geredet haben. Ich lächle beim Gedanken daran. Mir ist nach Weinen zumute. Ich hab vorhin schon eine halbe Stunde geweint. Dann hab ich die Kamera aus mir raus geschwenkt und mich von oben betrachtet. Wie ich da auf der Couch liege und mein Buch auf dem Bauch habe und beweine, dass ich nicht dies und nicht das gemacht hab. Die Leute haben recht: Man bereut selten, was man getan hat, sondern das, was man nicht getan hat. Bereuen ist auch so ein Wort, mit dem ich kämpfe. Sagen wir es so: Wenn ich morgen noch mal in diesem Zimmer mit dir allein wäre, würde ich mir von mir selbst wünschen, dass ich den Mut hätte, mich anders zu verhalten. Oder wenigstens dir zu sagen, dass ich dich gerne küssen möchte, aber mich nicht traue, weil ich Angst habe, dass du mir mein Herz brichst.

Und stattdessen hab ich dir dann deins gebrochen.

Und anschließend mir selbst meins.

Die Tränen kommen wieder. Meine Therapeutin wäre stolz auf mich. Zeit den Eintrag zu beenden.

noch mal heute

Alles wird gut. Ich denke an deine Hände, ohne sie fühlen zu wollen. Ich denke an Neukölln, ohne mich verletzt zu fühlen. Alles wird.

heute

jetzt ist alles anders. besser. heller. weniger schwer. es hat so kommen müssen. es soll so bleiben. es war. es ist vorbei. wir leben weiter. wir werden nicht vergessen, aber wir werden auch nichts ändern. das beruhigt mich.

damals (11)

als du mich eingeatmet hast
als wir verliebt waren
als ich dein sein wollte
als kurz die zukunft anfing
als wir uns änderten
als es wieder still um uns wurde.

damals (10)

als kein krieg war - oder doch?
als herzen abkühlten
als herzen und himbeeren auftauten
als wir uns nah waren
als wir uns fern waren
als alles alles bedeutete
als alles nichts mehr bedeutete.

damals (9)

als es kompliziert wurde
als die zeit stehen blieb
als du mich angeschaut hast
als wir das unmögliche versucht haben
als so viel fehlte
als ich dich vermisst habe
als sowieso
als ueberhaupt

damals (8)

als die sonne verschwand
als ich in den untergrund ging
als alles grau wurde
als du mir deine jacke gegeben hast
als ich mich in deine hände verliebte
als als als.

Vielleicht in zehn Jahren.

Wenn ich gelernt hab, meine Bedürfnisse zu kommunizieren - und du gelernt hast zu deinen Gefühlen zu stehen.

damals (7)

als wir dieselbe sprache sprachen
als ich wir dieselben treppen hinauf gingen
als wir dasselbe ziel hatten
als du meinen tag retten konntest
als du mir vertraut hast und ich es versucht habe
als du ahntest, dass ich gehen würde.

ich (2)

Ich versuche an unseren acht Minuten festzuhalten. Ich merke, wie sie mir entgleiten. Ich beurteile Wochentage seltener danach, was sie dir und mir ("uns") bedeutet haben. Ich erobere die Stadt zurück. Ich denke nicht mehr jede Minute an dich. Ich befreie mich schneller vom Gedankenstrudel aus Sehnsucht nach & Trauer um den Verlust von dir.

ich (1)

Es hat nur einen halben Sommer und einen halben Winter gebraucht, um mein Herz komplett zu erobern und anschließend vollständig zu brechen.

damals (6)

als sonntag war
als januar war
als wir dachten was wir fühlten
als wir fühlten was wir dachten
als wir fühlten was wir meinten
als wir wussten was wir fühlten
als wir ahnten wer wir waren
als wir helden waren
als wir uns sagten wir hätten uns lieb

jetzt (1)

da ich mir einen topaz vors gesicht halte
da ich die stille fühlen kann
da ich mit dem herz durch die wand will
da ich entdramatisierung wähle
da ich heimweh habe

irgendwann (1)

wenn wir den inneren schweinehund gassi führen
wenn plötzlich alle twittern
wenn wir schneebälle schlachten
wenn die erde eine scheibe wird
wenn wir rosen kriegen
wenn wir mit gedanken spielen
wenn alle rilke-gedichte wahr werden
wenn die otter sich kringeln
wenn die seele zu fuß geht
wenn wir uns wieder in die augen schauen können.

damals (5)

als die sonne noch schien
als es einfach endete
als wir freunde waren
als wir das seltsamste liebespaar der welt waren
als der kopf aus war
und kinder geboren wurden
als ich per sms schluss gemacht hab
als keiner mehr zu träumen wagte
und niemand das teddyfell kuschelte

damals (4)

als du das hier gelesen hast
und erich fried recht behielt
als wir uns nah waren
und du mich angeschaut hast
als wir um die wette hofften
als du mich ein bisschen lieb hattest
als du an mich gedacht hast
als wir weg waren
als ich auf keinen fall überlebt habe

damals (3)

als alle von radtouren träumten
und du meinen mund angestarrt hast
als zeit endete
als wir endeten
als alles endete
als das leben weiterging,
als wäre nichts gewesen.

Positionsanzeiger

Ich muss auflegen, denn der Cursor hat keine Freiblinkminuten mehr.

Effeff

Im Grunde kann ich dir gar nichts bieten von den Dingen, die man in
unserem Alter eigentlich schon aus dem Effeff können müsste.

damals (2)

als du gelächelt hast
als wir freunde waren
als du mich eingeatmet hast
als wir ein liebespaar waren
als wir nichts waren
als wir blabla waren
als wir luft füreinander waren und es uns eigentlich gar nicht mehr gab

Freitagabend

Ein weiterer Freitag ohne dich. Ohne gemeinsame Planungen. Ohne uns. Mir steht ein weiteres bedeutungsloses Wochenende bevor. Aber das darf man ja niemandem sagen, denn die Menschen um einen herum würden sich dann beleidigt fühlen. Wie Menschen zweiter Klasse würden sie sich fühlen. Und das sind sie auch. Ich wähle sie, weil ich dich nicht mehr haben kann. Weil wir uns nicht mehr haben können. Weil wir uns nicht mehr ertragen können.

Manchmal habe ich Angst, dass ich nie wieder richtig froh werden kann, ohne dass du in meinem Leben bist.

Manchmal habe ich noch mehr Angst, dass ich richtig froh werden kann, ohne dich. Und dass unsere gemeinsame Zeit gleichsam umsonst war.

Das war sie natürlich nicht, denn sie hat uns viel gekostet.

konjunktive Tagträume

Wenn ich versprechen würde, dass ich mindestens die nächsten sieben Jahre hier bliebe, mich mit meinen Feinden angefreundete, du dich bei mir sicher fühltest, deine Rahmenbedingungen erfüllt wären und alles andere geschmeidig liefe, würdest du dann eventuell in Erwägung ziehen, dich vielleicht noch einmal zu trauen deinen Traum zu träumen?

intergalaktisch

Wenn deine Augen noch eine Sekunde länger auf meiner Haut ruhen, verglühe ich wahrscheinlich. Kannst du bitte deine Wortlosigkeit einpacken, damit ich sie nicht dauernd sehen muss? Kannst du deine Unterstellungen anleinen? Bitte, nimm deine Angst und trag sie in den Keller. Ich wünschte, du würdest deine Geduld in den Fluss schmeißen. Dort, wo die Schmetterlinge unter der Brücke wohnen. Weißt du noch?

a love story

Frühling: Hoffnung, Zusammenhalt, Wachsenlassen
Sommer: Hirnbrand, Schwindel, Verwirrung, Extremhitze
Herbst: Paris, Sturm, Aufregung
Winter: Schnee, Stille, Nichts

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